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Kinoabend mit engagierter Diskussion zum Internationalen Frauentag

Von Selbstbestimmung und Gleichberechtigung weit entfernt

10.03.2017 I Aktive Frauen, eine engagierte Diskussion und ein ebenso authentischer wie aufrüttelnder Dokumentarfilm – der Internationale Frauentag ist im Medien- und Kulturhaus Lÿz in Siegen würdig begangen worden: Der Filmclub Kurbelkiste zeigte „Sonita“, die Geschichte der ersten Rapperin aus Afghanistan, aus einem Land, in dem Frauen das Singen verboten ist. Zu der gemeinsamen Veranstaltung von IG Metall Siegen, DGB Kreisverband Siegen-Wittgenstein, verdi-Bezirk Siegen-Olpe, der Gleichstellungsbeauftragten der Universität Siegen sowie „wo*men – das Autonome Feministische Referat“ der Universität Siegen kamen 170 Frauen und Männer.

Sonita ist als Kind in den Iran geflohen, ihre Mutter will sie nun zurück in ihre gefährliche alte Heimat holen und sie dort zwangsverheiraten. Doch die Jugendliche schafft es, dem zu entfliehen und ihren Traum zu verwirklichen. Ausgehend von dieser anrührenden Geschichte sprach anschließend eine engagierte und interessierte Runde über die Situation von Frauen in frauenfeindlichen Gesellschaften und über die Lage geflohener Frauen in Deutschland.

So berichtete Regina Kürschner vom Verein für soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen über ihre konkreten Erfahrungen mit Geflüchteten in Siegen. Es wurde schnell deutlich, wie vielschichtig die Probleme und Ursachen in Kulturkreisen sind, in denen Frauen unterdrückt werden, und dass Pauschalisierungen fehl am Platz sind. „Die Männer die Täter – die Frauen die Opfer? Das führt doch zu nichts“, appellierte eine Frau. Im Film war es Sonitas Mutter, die ihre Tochter als Braut verkaufen wollte.

Zohra Soori-Nurzad, die selbst als Kind aus Afghanistan floh und im Siegerland lebt, hat einen Hilfsverein für Afghanistan gegründet und ist hin und wieder selbst am Hindukusch. Sie berichtete, der Film bilde deutlich „die drastische Lage in Afghanistan“ ab.

Viele hätten gerne noch lange weiter diskutiert, etwa über die Gleichstellung in Deutschland. Bei aller Differenzierung konnte Mechthild Boller-Winkel von verdi eins schließlich doch pauschalisierend zusammenfassen: Frauen sind noch lange nicht gleichberechtigt, auch in Deutschland.