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1. Betriebsrätinnentag: Flexibilisierung der Arbeitszeit darf keine Einbahnstraße sein

Frauen brauchen nicht mehr, aber die gleichen Chancen

24.03.2017 I Digitalisierung, mobiles Arbeiten, Gestaltung der Arbeitszeit – Beschäftigte stehen heute vor großen Herausforderungen. „Das gilt insbesondere für Frauen, die im Arbeitsleben ohnehin nach wie vor oft benachteiligt sind“, sagt Jasmin Delfino von der IG Metall Siegen. Grund genug für sie und ihren Olper Kollegen Dirk Rullich, zum 1. Betriebsrätinnentag der IG Metall Siegen und Olpe ins Café Basico in Kreuztal einzuladen.

Rund 60 Betriebsrätinnen und auch einzelne männliche Kollegen befassten sich mit Arbeitsbedingungen und Arbeitszeitpolitik, Entgeltgerechtigkeit und rechtlichen Aspekten, mit praxisnahen Beispielen aus dem betrieblichen Alltag und gewerkschaftlichen Zielen. „Dauer und Verteilung der Arbeitszeit ist eine der zentralen Gerechtigkeitsfragen geworden“, sagte Irene Schulz vom IG Metall-Vorstand. Zeitsouveränität und Schichtarbeit, die nicht krank macht, Lebensphasen-orientiertes Arbeiten, das garantierte Rückkehrrecht auf Vollzeit, gute Kinderbetreuung, bezahlte Mehrarbeit – das will die IG Metall für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer politisch erreichen.

Der Weg dorthin sei zwar schwer, denn, so Schulz, „Arbeit auf Abruf ist gängige Praxis, die tatsächliche Arbeitszeit nimmt zu. Das Büro in der Jackentasche“ dürfe keine Einbahnstraße sein. Die Gegenfahrbahn müsse deutlich ausgebaut werden, mit Planbarkeit, Ausgleichsmöglichkeiten und Flexibilität auch im Interesse der Beschäftigten.

Der Betriebsrätinnentag zeigte, dass die Betriebsrätinnen und Betriebsräte in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe bereits auf der Gegenfahrbahn unterwegs sind. Maria Sellmann von der Firma Gustav Hensel stellte die Zukunftsvereinbarung vor, die der Betriebsrat mit dem Arbeitgeber ausgearbeitet hat und zu der auch flexible Arbeitszeitmodelle zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehören. Viele Unternehmen sind davon noch weit entfernt, das wurde im Workshop zur Zeitsouveränität deutlich.

„Wir sagen so lange das Gleiche, bis wir es bekommen.“ So lautet ein IG Metall-Slogan, der verdeutlicht, dass die Gewerkschaft beim Kampf für die Geschlechtergerechtigkeit nicht nachlässt. Einen entsprechenden Workshop leitete Dirk Rullich von der IG Metall Olpe. Er nannte die Stellschrauben: „Das Betriebsverfassungsgesetz und Tarifverträge, die wir selbst aushandeln, sind die Grundlage, um für Entgeltgerechtigkeit sorgen zu können.“ Selbstbewusstes Auftreten verbessert die Verhandlungsbasis mit dem Arbeitgeber – das ist vielen Betriebsrätinnen klar. Deshalb stieß der Workshop „Wonder Woman oder Charlie Brown? – Souverän und sicher präsentieren“ auf besonders großen Zuspruch.

Gabi Schilling von der IG Metall-Bezirksleitung NRW verdeutlichte, dass Arbeitnehmerinnen die Chancen und Risiken der Digitalisierung erst verstehen und nachvollziehen müssten, bevor sie sie nutzen könnten. „Ihre Arbeitsplätze und die bislang ausgeübten Tätigkeiten bleiben nicht so, wie sie sind.“ Zur Industrie 4.0 gehöre auch, sich rechtzeitig in die Gestaltung der Arbeit 4.0 einzumischen, um die Chancen für die Beschäftigten zu befördern.

Daran mitzuwirken, war ein Anliegen des Betriebsrätinnentags, dessen erste Auflage gut angenommen wurde. Jasmin Delfino und Dirk Rullich fühlen sich bestätigt: „Die Interessen speziell von Arbeitnehmerinnen angesichts von Industrie 4.0 in den Fokus zu nehmen, hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt.“