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IG Metall Siegen fordert eine Neuordnung des Systems

Rente und Altersarmut muss alle interessieren

24.08.2017 I „Uns geht es gut. Wegen uns sind wir nicht hier“, sagt Helmut Ermert. Ihm und seinen zwei Mitstreitern im Arbeitskreis Senioren der IG Metall Siegen, Klaus Peter Schäfer und Helmut Six, gehe es um Solidarität, um den Zusammenhalt der Gesellschaft, um „unsere Kinder und Enkelkinder“. Andree Jorgella, Geschäftsführer der IG Metall Siegen, brachte ein Thema auf den Punkt, das den IG Metall-Senioren und der IG Metall Siegen insgesamt auf den Nägeln brennt: „Die Rente und die Altersarmut – das sind entscheidende Zukunftsthemen.“

„Ein Thema, dass oft weit weg ist für Junge, das aber alle angeht“, so Ermert. Denn das Risiko, im Alter in die Armut abzurutschen, sei in den letzten Jahren gestiegen, und es steige weiter. Von 2005 bis 2015 sei der Anteil der Armen an allen Rentnern um fast die Hälfte auf 16 Prozent gestiegen. Das hänge stark mit der Rentenpolitik zusammen, die den Trend in Deutschland, dass Reiche immer reicher und Arme immer ärmer würden, verstärke: das schrittweise Absenken des Rentenniveaus, der Anstieg des Renteneintrittsalters und die zunehmende Besteuerung der Renten.

Weitere Gründe für Altersarmut seien der starke Rückgang der betrieblichen Altersvorsorge, häufigere Brüche in den Erwerbsbiografien und das Ausufern von Befristungen, Leiharbeit und andere prekäre Arbeit, berichtete Andree Jorgella. „Viele erreichen nicht einmal das Durchschnittseinkommen.“ Sie seien stark von Altersarmut bedroht.

Erschwerend hinzu kommt der ausgeprägte Vertrauensverlust unter jungen Menschen. Viele glauben nicht, dass sie überhaupt einmal eine Rente bekommen werden. Das Misstrauen bezieht sich auf die private Vorsorge genauso wie auf die gesetzliche Rente. Gerade die umlagefinanzierte Rente, die jahrzehntelang funktioniert habe, sei existenziell wichtig, um ein gutes Leben in Rente zu ermöglichen, sagte Klaus Peter Schäfer.

An einer aktuellen Umfrage der IG Metall zur Arbeitszeit mit mehr als 680.000 Befragten bundesweit haben sich in Siegen-Wittgenstein 5200 Menschen beteiligt. Ihr zufolge sind in der Region 86 Prozent der Befragten bereit, mehr in die gesetzliche Rente einzuzahlen, wenn sie sicher sein können, als Rentner mit ihrem Einkommen gut auszukommen.

Die Neuordnung des Rentensystems sei mehr als überfällig, sagte Andree Jorgella. Das Rentenniveau müsse steigen statt sinken und wieder an die Lohnentwicklung gekoppelt werden. Auch Freiberufler und Minijobber müssten einbezogen werden. Komponenten wie die Mütterrente müssten steuerfinanziert werden. Ergänzend bedürfe es mehr arbeitbegerfinanzierter Betriebsrenten. Sonst, so Helmut Six, der auch im Senioren-Arbeitskreis der IG Metall Siegen mitarbeitet, drohten der Gang zur „Tafel“ und das Flaschensammeln im Alter zum Regelfall zu werden.