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Beim IG Metall- Jahresempfang wurde deutlich: Personalentwicklung ist entscheidend

Region auf dem Weg in die Arbeitswelt 4.0

18.02.2019 I Die „Arbeitswelt 4.0 in der Region“ stand im Fokus des Jahresempfangs der IG Metall Siegen im Gläsersaal der Siegerlandhalle. Geschäftsführer Andree Jorgella stellte vor 280 Betriebsräten und gewerkschaftlichen Vertrauensleuten für Siegen-Wittgenstein fest, was laut Hauptkassierer und Vorstandsmitglied Jürgen Kerner auch für die IG Metall insgesamt gilt: Die positive Mitgliederentwicklung bestätigt, dass die Gewerkschaft – „die einzige Großorganisation bundesweit, die wächst“, so Kerner – den Nerv der Arbeitnehmer trifft.
Und das heißt, die elementaren Arbeitnehmer-Themen von heute zukunftsorientiert und vorausschauend anzugehen: die Veränderungen der Arbeitswelt angesichts von Digitalisierung, Globalisierung und Klimaschutz. Was ändert sich denn wirklich in den Betrieben? An Antworten arbeiten die Metallerinnen und Metaller an der Basis, indem sie individuell für die Betriebe Transformationsatlanten erstellen.

Beispielhaft verdeutlichte Ralf Löckener von der Dortmunder Unternehmensberatung Sustain Consult, wie ein Leuchtenhersteller der Region in kurzer Zeit die Herausforderungen Energiewende, Digitalisierung und Globalisierung gemeistert hat: Die gesamte Produktion und das Design mussten auf LED-Leuchtmittel umgestellt werden. Entscheidend bei der technologischen Erneuerung war, dass zugleich die Beschäftigtenstruktur angepasst wurde.

Weil beides Hand in Hand ging, sind das Unternehmen und auch die Beschäftigung gewachsen. Verallgemeinerbar ist: Personalentwicklung und Qualifizierung spielen Schlüsselrollen bei der Transformation. Hinsichtlich der internationalen Konkurrenz müssen auch die regionalen Rahmenbedingungen stimmen.

Um die Stärke der Industrieregion ging es bei der Podiumsdiskussion mit Vertretern relevanter regionaler Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Dr. Thorsten Doublet vom Verband der Siegerländer Metallindustriellen machte ein heterogeneres Bild aus und stellte Unsicherheiten fest. Landrat Andreas Müller hielt mit dem hohen technischen Entwicklungsstand und der hohen Beschäftigtenquote in der Region dagegen. Die öffentliche Hand unterstütze den Transformationsprozess, der vorbildlich laufe, beispielsweise mittels flächendeckender Breitbandversorgung und der Bereitstellung guter Rahmenbedingungen für berufliche Bildung.

Wirtschaftsinformatik-Professor Dr. Volker Wulf von der Universität Siegen sagte, die Technologie müsse sich am Menschen orientieren. Qualifizierte Arbeit, nicht Vollautomatisierung, müsse im Fokus stehen. IHK-Geschäftsführer Klaus Fenster betonte die Rolle der IHK in der Berufsbildung sowie als Dienstleister und Vermittler, um den Erfahrungsaustausch zu kanalisieren, bei der Personalrekrutierung und -entwicklung und auch beim Gesundheitsmanagement zu helfen, das angesichts steigernder Belastungen und zunehmenden Anpassungsdrucks immer wichtiger werde.

„Wir sind mittendrin, den Transformationsprozess umzusetzen“, sagte Andree Jorgella. Zwei Gewerkschaftssekretäre befassten sich schwerpunktmäßig damit, er berühre aber natürlich die gesamte Gewerkschaftsarbeit. Nur mit allen Akteuren gemeinsam könne der Prozess zum Erfolg führen. Ein Pluspunkt der Region, darüber herrschte Einigkeit: In Siegen-Wittgenstein ziehen die Sozialpartner mit Politik und Wissenschaft an einem Strang. Die Region ist auf einem guten Weg zur Arbeit 4.0. Allerdings darf die überregionale Bedeutung nicht vergessen werden. Um hier deutliche Zeichen zu setzen, schwor Andree Jorgella die Metallerinnen und Metaller schon einmal auf die Groß-Demonstration der IG Metall „Gestalten statt spalten!“ zu dem Themenkomplex am 29. Juni in Berlin ein.