Am vergangenen Dienstag fand bei ZF in Kreuztal eine sichtbare und zugleich solidarische Aktion statt. Vor den Werkstoren kamen zahlreiche Beschäftigte zusammen, gemeinsam mit der IG Metall Siegen. Bei einer Bockwurst im Brötchen wurde nicht nur gemeinsam gegessen, sondern auch über die aktuelle Lage im Unternehmen gesprochen. Anlass war die wirtschaftlich angespannte Situation bei ZF – und die damit verbundenen Sorgen vieler Beschäftigter um ihre Arbeitsplätze.
Die Aktion in Kreuztal war Teil eines bundesweiten Protests, der sich über viele Standorte hinweg erstreckte. In Friedrichshafen, Schweinfurt, Nürnberg, Saarbrücken, Auerbach und weiteren ZF-Werken gingen Mitarbeitende auf die Straße oder versammelten sich vor den Betrieben. Deutschlandweit beteiligten sich über 12.000 Beschäftigte an Aktionen, um auf die Entwicklungen im Unternehmen aufmerksam zu machen.
Der Hintergrund: ZF steckt in einer wirtschaftlichen Schieflage. In den vergangenen Monaten wurde ein deutlicher Verlust verzeichnet, verbunden mit steigenden Schulden – unter anderem durch teure Übernahmen im Ausland. Bereits jetzt sind über 11.000 Vollzeitstellen in Deutschland abgebaut worden, weitere Reduktionen stehen im Raum. Für viele Mitarbeitende steht nicht nur der Arbeitsplatz auf dem Spiel, sondern auch die Frage, wie ernst es dem Unternehmen mit seiner langfristigen Strategie für die Standorte in Deutschland ist.
Auch in Kreuztal sind die Sorgen spürbar. Die Beschäftigten blicken mit zunehmender Unsicherheit auf die kommenden Jahre. Aus ihrer Sicht ist klar: Der Wandel in der Automobilbranche darf nicht zu Lasten der Menschen gehen, die über Jahre hinweg zum Erfolg des Unternehmens beigetragen haben. Viele hoffen auf transparente Lösungen, echte Beteiligung und verbindliche Zusagen zur Standortsicherung und Beschäftigungsperspektive.
Die IG Metall begleitet diesen Prozess kritisch. Gefordert werden ein offener Umgang mit den Planungen, Investitionen in die Zukunft statt Rückzug, sowie Konzepte, die Perspektiven schaffen – nicht abbauen. Die Aktion am Dienstag sollte vor allem eines zeigen: Die Beschäftigten sind bereit, sich für ihre Interessen stark zu machen. Sie erwarten Antworten, Mitgestaltung und vor allem Sicherheit – für sich selbst, ihre Familien und die Region.
Auch wenn viele dieser Fragen noch offen sind, hat die Aktion in Kreuztal deutlich gemacht: Die Belegschaft steht zusammen. Und sie ist nicht allein.